Unsere Einstellungen, Erfahrungen, Verhaltensmuster prägen unsere Wahrnehmung und unser Verhalten. Diese innere Programmierung oder mentale Landkarte entzieht sich jedoch meist unserer Wahrnehmung. Das heißt: Wir schätzen Situationen rasch ein und entscheiden spontan, wie wir reagieren, ohne uns dessen bewusst zu sein, was uns dabei leitet. Hin und wieder passen unsere mentalen Landkarten auch ganz gut. Oft stehen sie jedoch im Konflikt mit unserer Umwelt: Wir merken es daran, dass die anderen sich einfach nicht so verhalten wollen, wie wir das erwarten. Oder daran, dass unsere Entscheidungen auf erbitterten Widerstand bei den anderen stoßen. Wenn Ihnen das in Projekten schon einmal passiert ist, sollten Sie sich mit dem Projektmanagement-Selbsttest beschäftigen und Ihre inneren Landkarten beleuchten:
Projektmanagement Selbsttest: Welcher PM-Typ sind Sie?
(Inspiriert durch Doug DeCarlo in seinem wunderbaren Artikel “A DIFFERENT DRUMMER – Traditional Project Management vs. Extreme Project Management - An Apples and Cumquats Comparison“)
Welche Aussagen beschreiben ihr aktuelles Projekt jeweils am besten?
Aussage 1:
- A: “Stabilität ist der Normalfall”
- B: “Veränderung ist der Normalfall”
Aussage 2:
- A: “Die Ereignisse sind linear und vorhersagbar”
- B: “Wir werden von Unsicherheit beherrscht”
Aussage 3:
- A: “Wir haben die Ereignisse unter Kontrolle”
- B: “Alles was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen”
Aussage 4:
- A: “Wir verändern so wenig wie möglich”
- B: “Wir empfangen Veränderungen mit offenen Armen”
Aussage 5:
- A: “Wir erhöhen gefühlte Sicherheit durch restriktive Prozesse”
- B: “Wir erhöhen gefühlte Sicherheit durch weniger Kontrolle”
Auswertung
Projektmanager, die überwiegend mit A geantwortet haben, werden alles daran setzen, die einmal abgestimmten Resultate zu erzielen. Sie steuern und kontrollieren Aktivitäten im Projekt immer auf der Basis eines präzise ausgearbeiteten Plans. Vor einer Entscheidung wägen sie mögliche Alternativen sorgfältig gegeneinander ab und sammeln Argumente für und wider. Sie etablieren detaillierte Prozesse und Verfahren und sorgen für deren konsequente Einhaltung. Sie verlangen die Einhaltung der einmal abgestimmten Anforderungen und versuchen bereits beim ersten Durchlauf alles richtig zu machen. Projektmanager dieses Typs sind eher Aufgabenmanager.
Projektmanager, die überwiegend mit B geantwortet haben, werden ihre Aufmerksamkeit darauf richten, dahinter zu kommen, was die gewünschten Resultate sind. Sie verwenden die Ergebnisse, um den Plan zu entwickeln. Sie entscheiden rasch und korrigieren wenn nötig ebenso rasch. Sie stimmen Leitlinien, Prinzipien und Werte ab und lassen große Freiräume bei den Prozessen. Sie setzen nur um, was machbar ist und passen das Ergebnis so oft an, bis es passt. Projektmanager dieses Typs sind eher Beziehungsmanager.
Zum Schluss
Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass Typ A oder Typ B besser ist. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass mit steigender Komplexität und Dynamik Projektmanager vom Typ B die besseren Chancen haben.


Hallo Herr Voigt
vielen Dank für Ihr Feedback.
Ich stimme Ihnen zu: Solche Aussagen sind polarisierend. Sie beschreiben jeweilige Extreme. Sie können dazu verleiten, sich selbst und andere in Schubladen einzuordnen. Diese Gefahr sehe ich genauso.
Tests dieser Art können daher nur Anstoss zur Selbstreflexion sein. Jeder muss für sich entscheiden, wo er sich in einem bestimmten Projektkontext gerade einordnet und wie diese Wahrnehmung zur Wirklichkeit passt. Im besten Fall entwickeln sich aus dieser Selbstreflexion bessere Handlungsalternativen.
Herzliche Grüße,
Jürgen Rohr
Hallo Herr Rohr,
ist nicht beides gleichermaßen wichtig?!? Ich finde es immer etwas schwierig so etwas komplexes wie PM und Persönlichkeit auf einige wenige polarisierende Aussagen zu reduzieren. Ähnlich wie Sie würde ich mich auch hüten, das eine generell für besser als das andere zu bezeichnen. Dennoch hat der eine oder andere Stil situativ bedingt klare Vor- und Nachteile. Am besten wird sich also der Projektmanager stehen, der in der Lage ist den jeweils gefragten Stil abzurufen. Unabhängig davon ob er ihm liegt oder nicht. Wirklich reife Projektmanager sollten dazu in der Lage sein.
Mit den besten Grüßen,
Dirk Voigt