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Der heroische Projektmanager – jetzt auch mit Sozialkompetenz!


Abbildung: Super PM - Der heroische Projektmanager

Endlich ist es soweit. Die niederschmetternden Nachrichten über gescheiterte Projekte werden ein Ende haben. Nie mehr Aussagen wie: “Die Ergebnisse der Projektmanagement-Studien durch PA und GPM aus den Vorjahren zeigen stets die gleichen Ursachen für das Scheitern von Projekten: unklare Anforderungen und Ziele, fehlende Ressourcen bei Projektstart, Politik verbunden mit Kompetenzstreit und schließlich schlechte Kommunikation” (www.competence-site.de). Die Lösung ist gefunden. Wir vermitteln unseren Projektmanagern ab jetzt nicht nur Fach- und Methodenkompetenz, sondern zusätzlich Sozialkompetenz. Damit ist das Problem ein für alle Mal vom Tisch – Oder etwa nicht? Sollten Sie auch Zweifel an dieser These haben, lesen Sie hier, wohin der Weg eigentlich gehen sollte.

Sind Führungskräfte “Helden”?

Was ist falsch daran, Projektmanagern neben Fach- und Methodenkompetenz auch Sozialkompetenz zu vermitteln? An sich kann es doch nicht schaden, seine Kompetenzen zu erweitern. Nur: Lässt sich Sozialkompetenz individuell vermitteln? Ist Sozialkompetenz überhaupt eine individuelle Eigenschaft?

Glaubt man den aktuellen Vorhersagen namhafter HR-Managementberatungen, muss Sozialkompetenz eine individuelle Eigenschaft und deshalb individuell vermittelbar sein. So liest man etwa (www.business-wissen.de): Aufgrund der wachsenden Herausforderungen der Zukunft “steigen die Anforderungen an die Führungskräfte, denn sie müssen umso mehr in der Lage sein, Begeisterung und Identifikation zu schaffen.” Unternehmen müssen daher einen ”enormen Nachholbedarf an individuellen Trainings- und Entwicklungsmaßnahmen” bewältigen. Oder: “Um sehr unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Spezialkenntnissen und kulturellen Hintergründen zu leistungsfähigen Teams zu formen und zu bestmöglichen Resultaten zu führen, wünschen sich Unternehmen von ihren Führungskräften der Zukunft hohe Teambuilder- und Leadership-Kompetenz.”

Man könnte also durchaus auf die Idee kommen, dass es einzig und allein an der Sozialkompetenz der Projektleiter liegt, ob ein Projektteam bestmögliche Resultate liefert oder nicht. Mit dieser Forderung wird jedoch der Einfluss des Projektleiters unseriös überschätzt. Ob ein Team leistungsfähig ist oder nicht, ob es bestmögliche Resultate liefert oder nicht und ob es sich mit seiner Aufgabe identifiziert oder nicht, lässt sich nur sehr eingeschränkt auf die Fähigkeiten einer Einzelperson zurückführen. Ganz im Gegenteil: Dieses verführerische Versprechen macht Führungskräfte zu Helden, die im Projektalltag sehr tief fallen können, wenn es einmal nicht so läuft, wie diese Illusion suggeriert.

Was ist eigentlich Sozialkompetenz? Wenn der Begriff auftaucht, steht er gerne in Gesellschaft von Kommunikationsfähigkeit, Verhandlungsfähigkeit, Beziehungsverhalten, Einfühlungsvermögen, Konfliktfähigkeit, Teamorientierung oder Arbeitstechniken. Man kann sich dem Gedanken nicht entziehen, dass es irgendwie um Gemeinschaft, um das produktive Miteinander geht. Im Laufe der Zeit scheint die Fähigkeit der Menschen, gemeinschaftlich miteinander umzugehen, verloren gegangen zu sein. Kein Wunder: Projekte werden in zunehmendem Maße mit Hilfe externer Mitarbeiter abgewickelt, die sich zuvor oft noch nie gesehen haben und die immer öfter aus verschiedenen Erdteilen kommen.

Sozialkompetenz ist keine individuelle Fähigkeit

Betrachtet man unsere Geschichte, so fällt auf, dass soziale Kompetenz früher keineswegs eine individuelle Eigenschaft war. Sie war vielmehr die Folge eines kollektiven Prozesses. Die Gemeinschaft gab vor, welchen Platz das Individuum einnahm und ob sich zwischen den Einzelnen ein kooperatives Miteinander ergab. Mitarbeiter gehörten teilweise ein (Arbeits-)Leben lang zur Gemeinschaft ein- und desselben Unternehmens. Jeder Einzelne konnte sich mit seinen Fähigkeiten einbringen. Die Fähigkeiten jedes Einzelnen haben sich gegenseitig ergänzt. Man vertraute sich gegenseitig und konnte sich aufeinander verlassen.

Heutzutage dominieren Individualismus, das Streben nach maximalem Profit, die ständige Erweiterung des eigenen Machtbereichs. Die Gemeinschaft tritt immer mehr in den Hintergrund. Man ist sich zunächst einmal selbst der Nächste bevor man sich mit den Bedürfnissen der anderen auseinandersetzt. Gefördert wird dies in Unternehmen oft mit individuellen Zielvorgaben, denen sich die kollektiven Ziele regelmäßig unterordnen müssen. Kein Wunder also, dass der Ruf nach heroischen Führungspersonen laut wird, die es Kraft ihrer “Sozialkompetenz” wieder richten sollen.

Es ist jedoch ein naiver Glaube, dass ein Einzelner die verloren gegangene soziale Kompetenz in Teams (wieder) herstellen kann. Soziale Kompetenz ist keine instrumentelle Fähigkeit, mit der ein Einzelner soziales Miteinander aufbaut. Schon gar nicht, wenn Einzelinteressen dem kollektiven Interesse entgegenstehen oder wenn gegensätzliche Zielvorgaben eine Zusammenarbeit verhindern.

Ein “postheroischer” Ansatz

Ich plädiere für einen Ansatz, der die Verantwortung für soziales Miteinander nicht auf den Schultern der Projektleitung ablädt. Ein solcher Ansatz muss das Unternehmen, seine Kultur, sein Entlohnungssystem, seine wirtschaftlichen Zielvorgaben und seine Strategie kritisch beleuchten und die Frage beantworten: “Sind die gegebenen Rahmenbedingungen wirklich förderlich für die Entwicklung sozialer Kompetenz im Team?”

Einige Fragen dazu:

  • Wirtschaftliche Ziele: Welche Botschaft vermitteln die aktuellen wirtschaftlichen Ziele? Zwingen Sie zu Maßnahmen, die Teams auseinander reißen? Lassen Sie Raum für “unproduktive” soziale Interaktion?
  • Organisationsstruktur: Wie ist das Unternehmen / Projekt organisiert? Behindern Schnittstellen zwischen funktionalen Disziplinen die gemeinschaftliche Arbeit?
  • Unternehmenskultur: Wie “kommunikativ” wirkt das Unternehmen? Gibt es außerhalb der Arbeitszimmer Raum für Treffen zwischendurch (Sitzecken, Kaffeeküche)? Ist der Kaffee bezuschusst? Sind die Türen eher offen oder geschlossen? Wird die Ursache von Problemen in Personen gesucht oder z.B. in den Arbeitsprozessen? Herrscht Freiwilligkeit vor oder Macht und Kontrolle?
  • Entlohnungssystem: Wird lediglich individuelle Leistung gefördert oder gibt es Anreize für das Erreichen von gemeinsamen Zielen? Wird nur monetär entlohnt oder durch persönliche Wertschätzung, interessante Aufgaben, gemeinsame Events?
  • Strategie: Wie ist die Unternehmensstrategie formuliert? Enthält sie nur wirtschaftliche Ziele oder auch soziale?

Nicht zuletzt hängt soziale Kompetenz auch davon ab, ob die beteiligten Menschen (das Projektteam) bereit sind, sich auf die anderen zu verlassen. Dazu gehört Mut und Risikobereitschaft. Denn: Was ich nicht selbst tue, kann ich nicht kontrollieren. Indem ich mich auf andere verlasse, mache ich mich von ihnen abhängig. Darin liegt jedoch der Schlüssel für soziale Kompetenz und mit ihr für ein produktiveres Miteinander.

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